SelbsttötungSelbsttötung in Vorarlberg immer seltener:
Der jährliche Suizidbericht, erstellt von den Chefärzten Albert Lingg und
Reinhard Haller, ist Gradmesser für die psychische Befindlichkeit der
Vorarlberger. War das westlichste Bundesland noch zu Beginn der 80er-Jahre
jenes mit den meisten Lebensmüden Österreichs, ist es nun Schlusslicht der
Statistik. Was Lingg und Haller auf die "Enttabuisierung des Themas" und
den Ausbau der Krisendienste zurückführen. Im Vorjahr setzten in
Vorarlberg 41 Männer und 14 Frauen ihrem Leben selbst ein Ende. Den hohen
Männeranteil führt Psychiater Albert Lingg auf deren Probleme in der
Krisenbewältigung zurück: "Männer machen es sich schwerer, Hilfe
anzunehmen." Etwa die Hälfte der Opfer einer Selbsttötung litt an
psychischen Störungen. Lingg: "Die Depression ist der größte
Risikofaktor." Selbsttötung könnte noch seltener werden, würden
Depressionen konsequent behandelt. Lingg sieht eine Möglichkeit in einer
besseren Ausbildung der Allgemeinmediziner und im weiteren Ausbau der
Krisenversorgung, "mit dem neuen Psychiatrieplan sollen die Dienste besser
aufeinander abgestimmt und durchschaubarer werden". Die
Weltgesundheitsorganisation WHO möchte die Zahl der Selbsttötungen auf
unter 15 pro 100.000 Einwohner und Jahr senken, Vorarlberg hat 2001 eine
Rate von 15,6 erreicht. Bundesweit sind es 18,5 Selbsttötungen. Am meisten
Menschen nehmen sich in Kärnten (23), Salzburg (22,2) und in der
Steiermark (19,5) das Leben. Reinhard Haller: "Damit sterben immer noch
mehr Menschen durch Selbsttötung als bei Verkehrsunfällen."
Versuchte Selbsttötung in der Haftanstalt: Der 46-jährige Italiener, der am Sonntag in Bad Godesberg den Polizeikommissar Gerd Höllige erschossen hat, hat am Mittwoch in der JVA Köln-Ossendorf versucht, sich umzubringen. Nähere Einzelheiten der versuchten Selbsttötung wurden nicht bekannt gegeben. Aufgrund dieses Vorfalls und anderer Verhaltensauffälligkeiten wurde gestern ein so genannter Unterbringungshaftbefehl gegen den 46-Jährigen erlassen: Er wurde unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in die Forensische Psychiatrie gebracht. Unterdessen hat Ministerpräsident Wolfgang Clement gestern den bei der Tat schwer verletzten Polizeikommissar Wolfgang Kraus im Krankenhaus besucht. "Ich hoffe, dass Sie bald wieder vollständig gesund werden", so Clement. Kraus sei frühestens nächste Woche vernehmungsfähig, hieß es.
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